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[Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht, Rowohlt, Hamburg 1997, S. 89-90] "Um sich die Reichtümer der Welt anzueignen, bemächtigt er [der Mann] sich der Welt selbst. In diesem Handeln empfindet er seine Macht; er setzt Ziele, er entwirft Wege zu ihnen: er verwirklicht sich als Existierender. Um zu erhalten, schöpft er; er geht über die Gegenwart hinaus, er eröffnet die Zukunft. Deshalb haben Fischzüge und Jagden einen heiligen Charakter. Ihr erfolgreicher Ausgang wird mit Festen und Triumphzügen gefeiert; der Mann erkennt in ihnen seine Menschlichkeit. Diesen Stolz zeigt er noch heute, wenn er einen Staudamm, einen Wolkenkratzer oder einen Atommeiler gebaut hat. Er hat nicht nur daran gearbeitet, die gegebene Welt zu erhalten: er hat ihre Grenzen gesprengt, hat die Grundlagen für eine neue Zukunft gelegt. Seine Tätigkeit hat noch eine Dimension, die ihr höchste Würde verleiht: sie ist oft gefährlich. Wäre das Blut nur Nahrung, hätte es keinen höheren Wert als die Milch; aber der Jäger ist kein Schlachter: im Kampf mit den wilden Tieren setzt er sich Gefahren aus. Der Krieger setzt, um das Ansehen der Horde, des Clans, dem er angehört, zu vergrößern, sein Leben aufs Spiel und beweist damit unübersehbar, dass für den Mann nicht das Leben der höchste Wert ist, sondern dass es wichtigeren Zielen dienen muss. Der schlimmste Fluch, der auf der Frau lastet, ist, dass sie von den Kriegszügen ausgeschlossen ist. Nicht indem er Leben schenkt, sondern indem er es einsetzt, erhebt sich der Mensch über das Tier. Deshalb wird innerhalb der Menschheit der höchste Rang nicht dem Geschlecht zuerkannt, das gebiert, sondern dem, das tötet." |